Nürburgring 2011

Bösiger wieder auf dem Podium

Truck Grand Prix am Nürburgring endete mit versöhnlichem Abschluss

212.000 begeisterte Zuschauer kamen zum 26. Truck Grand Prix am Ring, gleichzeitig Halbzeit in der FIA European Truck Racing Championship, die für den Schweizer Markus Bösiger bisher sicherlich nicht wunschgemäß verlief. Und so war der Langenthaler Rennfahrer hier auch hoch motiviert. Turnusgemäß war in seinem Renault-RaceTruck das Getriebe gewechselt worden, der erwünschte Erfolg blieb aber einfach aus. In der SuperPole der TopTen-Piloten erfuhr sich der Europameister von 2007 den 6. Startplatz für das 1. Rennen. Dabei machte gerade das neue Getriebe enorme Probleme. Die Schaltung war extrem hakelig, schnelle Gangwechsel waren nicht möglich. Ganz massiv machte sich das Handicap beim Start bemerkbar, Bösiger verlor gleich mehrere Positionen. Da im zweiten Tagesrennen die acht Erstplatzierten in umgekehrter Reihenfolge starten, setzte der Schweizer alles daran, mit dem 8. Platz die Pole fürs Folgerennen zu erlangen. Auf diesem Rang lag der Renault-Pilot Anthony Janiec (FRA). Und bei der Jagd auf den Franzosen verwickelten sich die Verfolger immer wieder in heiße Gefechte, wovon Janiec aber eher profitierte. In der vorletzten Runde hatte Bösiger seine übrigen Mitstreiter etwas abschütteln können und setzte nun zum Angriff auf Janiec an. Der Schweizer war im Prinzip erheblich schneller und wollte innen am Franzosen vorbei, der machte das Loch plötzlich zu, beide Trucks kollidierten, Bösiger drehte sich, während Janiec unbeeindruckt weiterfuhr und als Achter die Ziellinie passierte. Bösiger wurde von seinen direkten Verfolgern überholt und musste sich am Ende mit dem einen Punkt für den 10. Rang zufrieden geben. Schließlich bekam Janiec wegen einer nicht angetretenen Durchfahrtsstrafe 30 Sekunden aufgebrummt, dennoch blieb Bösiger nur der undankbare 9. Platz.

Der Sieg ging an die Deutschen Jochen Hahn (MAN) vor Markus Oestreich (Renault) und Uwe Nittel (MAN).
Die Voraussetzungen waren somit für den Schweizer ausgesprochen ungünstig, im nächsten Rennen weiter nach vorn zu fahren, schließlich lagen alle starken Konkurrenten in der Startaufstellung schon vor ihm. Dazu kamen noch die Schaltprobleme, sodass Bösiger am Ende unter diesen Bedingungen mit dem 7. Platz noch zufrieden sein musste.

Den Sieg holte sich der Spanier Antonio Albacete (MAN) vor dem Buggyra-Piloten David Vrsecky (CZE) und Nittel.
In der Nacht baute das MKR-Team das Getriebe aus und setzte das ein, das eigentlich revidiert werden sollte. Und tatsächlich fuhr Bösiger, den der Streckensprecher als Aushängeschild des Truckracing in der Schweiz vorstellte, mit 1:56.634 Min. beim frühmorgendlichen WarmUp die schnellste Zeit. In den entscheidenden Runden der SuperPole konnte sich der Schweizer aber nicht mehr verbessern – im Gegensatz zu seinen schärfsten Konkurrenten. Schließlich blieb ihm nur der 6. Startplatz, neben dem Teamkollegen Oestreich. Doch beim Start konnte der Langenthaler zwei Plätze gewinnen, dann aber gab es am Turbolader seines Renault-RaceTrucks eine kleine Undichtigkeit.

Tröpfchenweise saugten die Hinterreifen das Öl auf, der Truck des Schweizers verlor an Grip und so musste Bösiger nacheinander die Teamkollegen Oestreich und Lacko passieren lassen. Am Ende blieb ihm dann wieder einmal nur der 6. Platz. Pünktlich zum letzten Rennen begann es dann zu regnen. Schon in der Einführungsrunde schlitterten die Trucks häufig quer über die Piste. Und so kam es dann auch schon bald zu einer Massenkollision mit Rennabbruch und Neustart. Auch beim zweiten Versuch gab es sehr viel Schrott, wovon der Schweizer aber relativ unbehelligt blieb. Von Anfang an war Bösiger der Schnellste in dem – ursprünglich – 24er Feld. Doch es gab kaum Möglichkeiten zu überholen, zumal an diversen Streckenabschnitten wegen der vielen Havaristen Dauergelb – gleich Überholverbot – herrschte. An der Spitze hatte sich ein Quintett aus Vrsecky, dessen englischen Teamkollegen Chris Levett, Lacko, Albacete und Bösiger gebildet. Nun lief der Schweizer unter diesen widrigen Bedingungen zur Höchstform auf. Zunächst packte er sich den amtierenden Champion Albacete und lag nun hinter Teamkollegen Lacko. Die beiden Renaults waren eindeutig schneller als Levett, aber sie kamen nicht am Engländer vorbei. So konnte sich Vrsecky an der Spitze absetzen und einem letztendlich ungefährdeten Sieg entgegenfahren. Endlich zogen auch Lacko und Bösiger an Levett im Doppelpack vorbei, und Bösiger schnappte sich dann direkt auch seinen tschechischen Teamkollegen. Mit dem 2.Platz sicherte sich der Schweizer dann doch noch einen Podiumsplatz beim Truck Grand Prix.

Zusammen mit Oestreich holte Bösiger für MKR-Technology zudem noch drei 2. und einen 3. Platz in der Teamwertung.
Die Meisterschaft wird weiterhin angeführt von Hahn mit 241 Punkten, Bösiger hat nun 113 Zähler und liegt auf dem 6.Rang.
„Die Geschichte mit dem Getriebe ist natürlich ausgesprochen blöd gelaufen“, meinte Bösiger schon am Samstagabend. „Häufig ist es ja so, dass sich so etwas nach einigen Schaltvorgängen dann einspielt, aber hier wurde es eher schlimmer. Ich konnte nicht schnell von einem Gang in den nächsten schalten, ich musste immer eine kleine Pause machen.“
Nach seinem Podiumsplatz am Sonntag meinte der Renault-Pilot nur lakonisch: „Meinetwegen hätte es die ganze Zeit regnen können, dann hätte es schon vorher für mich viel besser ausgesehen.“
Der nächste Lauf zur FIA European Truck Racing Championship findet am 30. und 31. Juli im russischen Smolensk statt.

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